Die Aussage ist heute nur noch eingeschränkt richtig. Sie kommt aus einer Zeit, in der Motoren, Öle und Steuerungen deutlich primitiver waren.
Bei modernen Verbrennern gilt:
Öldruck baut sich innerhalb von Sekunden auf. Die Ölpumpe läuft direkt mechanisch oder elektrisch, das Öl ist sehr viel dünnflüssiger als früher, die Kanäle sind optimiert. Eine „unterversorgte Nockenwelle“ im Leerlauf ist bei einem gesunden, serienmäßigen Motor kein realistisches Szenario.
Erstens Fließverhalten bei Kälte.
Vollsynthetische Öle haben eine extrem stabile Viskosität. Ein 0W oder 5W Öl ist bei Kaltstart um Welten dünnflüssiger als frühere 15W oder 20W Mineralöle. Das Öl ist innerhalb von ein bis zwei Sekunden überall dort, wo es sein muss. Genau deshalb gibt es heute kaum noch echten Trockenlauf nach dem Start.
Zweitens Haftfähigkeit und Additive.
Moderne Öle enthalten Additivpakete, die einen stabilen Schmierfilm auf Metalloberflächen hinterlassen. Nockenwelle, Kipphebel, Steuerkette laufen nicht „nackt“, selbst wenn der Motor einige Stunden oder Tage stand. Diese Grenzschichtschmierung gab es früher so schlicht nicht.
Drittens thermische und mechanische Stabilität.
Vollsynthetische Öle reißen unter niedriger Drehzahl und geringer Last nicht ab. Der Schmierfilm ist im Leerlauf genauso stabil wie unter leichter Fahrbelastung. Die Vorstellung, dass ohne Last „kein Öl ankommt“, ist technisch schlicht falsch.
Viertens Motorauslegung heute.
Moderne Motoren sind exakt auf diese Öle ausgelegt. Enge Toleranzen, gezielte Ölbohrungen, teils variable Ölpumpen. Das funktioniert nur, weil das Öl zuverlässig und sofort da ist. Mit alten Ölen würden diese Motoren gar nicht überleben.